Organisationsuntersuchung zur Einführung eines Leitbildes: Gemeinde verprasst 20.000 Euro

Ausgepresster Bürger
Nehmtmirallesweg 23
76790 Blechhausen
Vorschlag
An
Bürgermeister Schade
Am Dorfplatz 1
76790 Blechhausen
Bürgermeister Schade
Am Dorfplatz 1
76790 Blechhausen
Ausgepresster Bürger
Nehmtmirallesweg 23
76790 Blechhausen
4. Mai 2015
Organisationsuntersuchung zur Einführung eines Leitbildes: Gemeinde verprasst 20.000 Euro

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schade,

schon in der Vergangenheit fragte ich mich, wozu unsere kleine Verbandsgemeinde mit nicht einmal 10.000 Einwohnern eigentlich zwei hauptamtliche Bürgermeister durchfüttern muss. Beim Blick in die wöchentliche Gemeindezeitung wird mir natürlich jedes Mal klar warum, denn Sie und Ihr Kollege wollen schließlich beide auf jeder zweiten Seite groß im Bild zu sehen sein.

Außerdem war Ihr Amtsvorgänger bekanntlich amtsmüde, kein Wunder bei dessen Lebenslauf von Behörde zu Behörde, sodass für ihn ein bequemer, gut bezahlter Posten bis zur baldigen Rente geschaffen werden musste.

Was mir aber jetzt wirklich richtig sauer aufstieß, war der Bericht in unserem örtlichen Gemeindepropaganda-Blättchen. Dort informierten Sie uns nämlich über folgendes:

  • Im vergangenen Jahr wurde ein Arbeitskreis „Organisationsuntersuchung“ gegründet, welcher ein „Leitbild“ für die „Grundprinzipien des Verwaltungshandelns und die Ziele für eine effektive, kundenorientierte und zukunftsfähige Verwaltung“ erstellen sollte.
  • Das nun fertiggestellte Leitbild wird in Kürze den Mitarbeitern der Verwaltung vorgestellt und anschließend den Bürgern veröffentlicht.
  • Um eine „zeitnahe Umsetzung“ – was auch immer zeitnah bei Ihnen bedeuten mag – der Leitbildziele zu erreichen, muss nun eine „Organisationsuntersuchung“ durchgeführt werden.
  • Diese Untersuchung in Form einer Ist-Analyse soll durch einen externen Berater unterstützt werden.
  • Für die Beauftragung einer solchen Firma stimmte der Gemeinderat bis auf zwei Enthaltungen geschlossen zu. Die Kosten für die Gemeindekasse: Schlappe 20.000 Euro.

Lieber Herr Schade, schade, dass Sie im Vorfeld dieser ganzen Aktion nicht mich oder jeden anderen Bürger dazu befragt haben, der noch einigermaßen Boden unter seinen Füßen fühlt und klar im Kopf ist, denn jeder von uns hätte Ihnen, ohne bürokratischen Aufwand und ohne diese immensen Kosten, aus dem Stegreif sagen können, wie so ein Leitbild auszusehen hat:

  1. Der Bürger ist der „Kunde“ – um bei Ihrer Nomenklatura zu bleiben – und der Kunde ist König.
  2. Jeder Mitarbeiter in der Verwaltung steht mit seiner ganzen Kraft im Dienste des Bürgers und hat zu jeder Zeit mit vollem Engagement allein und ausschließlich dessen Interessen zu vertreten und zu berücksichtigen.
  3. Willkürliche Handlungen, eigen- bzw. fremdnützige Entscheidungen oder persönliche Bereicherung in jeglicher Form sind grundsätzlich strengstens und unter Strafe untersagt.
  4. Mit dem Eigentum der Gemeinde, sprich mit Steuern, Gebühren und Abgaben, welche zu 100% aus den Taschen der Bürger stammen, ist stets mit größter Verantwortung umzugehen, Verschwendung und Vergeudung unbedingt zu vermeiden und dafür Sorge zu tragen, dass sämtliche Aufwände und Kosten der Verwaltung kontinuierlich sinken.
  5. Unter allen Umständen müssen bürokratische Prozesse stetig vereinfacht und bestmöglich verkürzt werden. Jeder Mitarbeiter trägt die Verantwortung, ständig an einer Optimierung und Verbesserung seiner jeweiligen Aufgaben zu arbeiten und für schnelle, kundenfreundliche und kostengünstige Abläufe zu sorgen.
  6. Die Gemeinde steht vollständig im Dienste der Bürger. Niemals darf auch nur ansatzweise der umgekehrte Eindruck erweckt werden.

Für dieses Leitbild würde ich Ihnen genau nichts in Rechnung stellen. Bei der Umsetzung und Einhaltung der Prinzipien müsste ich natürlich auf Sie vertrauen und Ihr ehrliches Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Steuerzahler, der Sie und diesen ganzen Apparat finanziert.

Sicher, in diesem Fall wären einige Leute weniger mit behördlicher Luftakrobatik beschäftigt und die externe Beratungsfirma – die ja ganz bestimmt in keinerlei Beziehung zu Ihnen oder Ihren Mitarbeitern und Freunden steht – hätte einen großen Auftrag weniger.

Damit könnte ich jedoch leben und ich bin überzeugt, auch 99% der restlichen Bürger unserer Verbandsgemeinde stimmen mir hierin vollinhaltlich zu.

Schade, sehr geehrter Herr Schade, dass Sie ein solch gestörtes Verhältnis zu den von uns Bürgern mühsam erwirtschafteten Steuergeldern haben und derart leichtfertig fremdes Eigentum zum Fenster hinauswerfen. Vielleicht wird Sie dieses Verhalten eines Tages einmal einholen und Sie werden darüber Rechenschaft ablegen müssen.

Ich bin jedenfalls gespannt auf Ihr neues „Leitbild“ und ich wette, es kommt nicht einmal annähernd an das heran, was ich Ihnen völlig kostenlos vorgeschlagen habe.

Mit freundlichen Grüßen

Ein ausgepresster Bürger

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