Zerstreuter Professor? 25.000 Euro auf dem Konto und sonstiges Kleingeld

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4. September 2014
Zerstreuter Professor? 25.000 Euro auf dem Konto und sonstiges Kleingeld

Sehr geehrter Herr Professor,

da hat man Ihnen ja übel mitgespielt. Eigentlich sollte Ihnen 2006 lediglich eine Krankenkostenbeihilfe von 50,52 Euro ausbezahlt werden. Doch stattdessen landeten auf Ihrem Konto sage und schreibe 25.176 Euro. Fünfundzwanzigtausend und Einhundertsechsundsiebzig Euro.

Sie müssen einen fürchterlichen Schock erlitten haben, als Sie damals auf Ihren Kontoauszug schauten, denn anders ist nicht zu erklären, wieso Sie sich Jahre später nicht mehr daran erinnern konnten, als die unfreundliche Oberfinanzdirektion das Geld plötzlich wieder zurückforderte.

Vermutlich ist diesen Leuten überhaupt nicht klar, was sie bei Ihnen angerichtet haben. Ein derartiger Schock, der bei Ihnen offensichtlich zur vollständigen Amnesie führte, ist keine Kleinigkeit und äußerst gefährlich für die Gesundheit.

Doch damit nicht genug. Sie wurden deswegen sogar vor Gericht gezerrt und dazu verdonnert, das gesamte Geld zurückzuzahlen, von dessen Existenz Sie bis heute gar nichts wussten. Leider besitzen Sie die zugehörigen Kontoauszüge aus 2006 nicht mehr, sodass eine Überprüfung Ihrerseits nicht möglich ist, obwohl Sie das ganz sicher gerne tun würden, um den Fall aufzuklären.

Das Gericht hat in seinem Urteil nun dreisterweise argumentiert, Ihre Amnesie sei „noch nicht einmal im Ansatz glaubhaft“, blieb aber offenkundig den Beweis Ihres Vorsatzes schuldig. Natürlich, schließlich hatten Sie ja nie etwas Unrechtes getan.

Vielleicht brauchen Sie ja in Wirklichkeit dringend Hilfe und niemand hat das bislang bemerkt? Was passiert denn beispielsweise, wenn Ihre Krankenkasse oder gar eine Behörde Ihnen nochmals einen ähnlichen oder womöglich einen Millionenbetrag versehentlich oder – ich wage es kaum zu denken – sogar vorsätzlich überweist?

Ich vermute ja fast, diese hohe Auszahlung war damals eine Art Anschlag auf Ihre Person, um Sie mental außer Gefecht zu setzen. Ein ehrenwerter, ehrlicher und vielleicht auch ein klein wenig zerstreuter Professor könnte auf diese Weise nämlich leicht zum Opfer von böswilligen Verbrechern werden.

Je höher der überwiesene Betrag, desto größer Ihre Amnesie vermute ich. Es wäre daher durchaus möglich, dass Sie in dem Moment Ihre gesamten Lebenserinnerungen verlieren würden, wenn Sie eines Tages völlig unerwartet auf Ihrem Kontoauszug einen Betrag von 10 Millionen Euro vorfinden.

Ein Auftragsmord dürfte nur unwesentlich billiger sein. Er hat aber den Nachteil, dass irgendwann das Opfer vermisst und später seine Leiche gefunden wird. Im Gegensatz dazu hätte ein derartiger Millionen-Anschlag auf Ihr Konto keinerlei äußerlich sichtbare Effekte, schließlich blieben Sie völlig unbeschadet am Leben, wüssten jedoch einfach nicht mehr, wer Sie sind.

Vielleicht brauchen Sie ja einen guten Vermögensverwalter, der Sie vor derlei Verbrechen beschützt, denn schon morgen könnte die nächste Millionenauszahlung kommen. Und ich garantiere Ihnen: Mein Honorar ist bescheiden, es wird Sie ganz bestimmt nichts vor Schock vergessen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Ein besorgter Vermögensverwalter

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