Kinder, Küche und Karriere: Wie sich die Frauen freiwillig zugrunde richten

Wenig mitleidiger Mann
Am Freiheitsplatz 12
68025 Mannheim
Beileid
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Burnout-Mutter
Oberer Karriereweg 3
79931 Frauenheim
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Wenig mitleidiger Mann
Am Freiheitsplatz 12
68025 Mannheim
3. September 2014
Kinder, Küche und Karriere: Wie sich die Frauen freiwillig zugrunde richten

Liebe überlastete Burnout-Mutter,

in einem erbärmlichen Jammer-Artikel hast Du Dein fürchterliches Schicksal als Frau und Mutter sehr eindrücklich beschrieben. Auf Dir und Deinen Leidensgenossinnen laste der Alltag und Ihr würdet ständig von „Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Depressionen“ geplagt. Ja, so ist das eben, wenn man um jeden Preis alles auf einmal haben muss, um eine vorbildliche, moderne und angepasste Frau sein zu wollen.

Dabei beginnt alles ganz harmlos: Zuerst kommt die Karriere an die Reihe, denn Selbstverwirklichung ist absolut essentiell. So hört Ihr es von allen Seiten, von Freundinnen, an der Schule, später der Uni und aus den Medien. Also muss es wohl richtig sein und damit sind die ersten großen Ziele gesteckt: Das will ich auch.

Es wäre doch gelacht, wenn Du das nicht genauso erreichst, wie alle anderen übergestylten Tussis in Deinem Umfeld, nicht wahr? Da lastet jetzt erst mal ein ungeheurer Erfolgsdruck auf Dir, aber mit dem Rückenwind aus politisch korrekter Gesellschaft und den männerhassenden Medien sollten sich Dir bald überall die Türen ganz wie von selbst öffnen.

Eins, zwei, hopp und schon stehst Du als Abteilungsleiterin auf den mittleren Sprossen der Karriereleiter. Ups, was ist denn das? Dein 30. Geburtstag? Wie konnte das nur so unerwartet passieren? Hilfe, Panik, ich brauche schnell eine Familie, so wie alle meine Freundinnen, was mach ich bloß? Leider war bei den geschätzten sechs abgebrochenen Beziehungen bisher noch immer nicht der „Richtige“ dabei.

Apropos der „Richtige“: Ihn gibt es nicht, das hast Du inzwischen sicher auch erkannt. Das hindert Euch Superfrauen allerdings trotzdem nicht daran, diesem fiktiven Ideal weiter hinterherzurennen und die armen männlichen Opfer, die Ihr Euch ausgewählt habt, so lange zu traktieren, bis die sowieso schon völlig verweichlichten Wesen brav Männchen machen.

Blöd nur, dass Ihr eigentlich keine solche Waschlappen wollt und erst recht nicht für eine lebenslange Beziehung brauchen könnt. Die Einsicht kam zwar spät, aber es fand sich dann doch schlussendlich ein Exemplar, was einigermaßen als emanzipiert durchgeht und trotzdem den gefährlichen Spagat bewältigt zwischen Unterwerfung unter den grassierenden Feminismus und dem heimlichen Wunsch in Dir nach der so verrufenen männlichen Dominanz.

Endlich war also dieser Part erledigt, ein Samenspender für den in Deinen langfristig angelegten Karriereplänen ist gefunden, geheiratet und damit für alle späteren Eventualitäten finanziell verpflichtet. Die Zeit drängt, daher folgt direkt der nächste Schritt:

Hurra, das erste Kind ist da. Ein Einzelkind? Nein, das liegt nicht mehr im Trend, wie sähe das denn aus? Da Du natürlich Deine eigentlich unliebsame Karriereunterbrechung durch Mutterschutz und Elternzeit so kurz wie nur irgend möglich halten willst, um hinterher den Anschluss nicht zu verpassen, bekommst Du binnen zwei Jahren gleich zwei Kinder.

Holla, das ist ja doch ganz schön stressig, sich plötzlich allein nach den Babys zu richten. Das hättest Du nicht gedacht, wie? Der ganze schöne, zuvor bis ins Detail geplante Tages-, Wochen- und Jahresablauf gerät nicht nur ins Wanken, sondern bricht vollständig in sich zusammen.

Da Du so richtig emanzipiert bist, hast Du Dich außerdem zuvor dafür entschieden, selbst zu Hause zu bleiben und Deinen Mann arbeiten zu schicken, weil das heute schon wieder als schick gilt, sich als Frau selbst um die Kinder zu kümmern – zumindest vorübergehend, bis sie nach wenigen Monaten endlich in der Kita abgegeben werden können.

Die Verpflichtungen für den Nachwuchs werden jedoch nicht etwa weniger mit der Zeit und obwohl Du nach insgesamt drei Jahren Auszeit wieder halb im Büro und zusätzlich noch zu Hause arbeitest, bleibt blöderweise all die Mutterarbeit an Dir hängen. Aber nicht etwa, weil Dein Mann ein so fürchterlicher, fauler Macho wäre, sondern weil Deine Kinder grundsätzlich immer ihre Mutter bevorzugen.

Da sind allwöchentlich diverse Sport-, Musik- und Sprachkurse und allerlei andere sehr wichtige Engagements für die Kleinen, sie sollen schließlich den Nachbarskindern und den Kindern der befreundeten Familien in nichts nachstehen. All das kostet Zeit für die unzähligen Taxidienste und es muss zudem finanziert werden. Den Kindern macht all der Stress zwar nur wenig Spaß, aber das ist nicht deren Entscheidung. Es geschieht allein zu ihrem langfristigen Wohl.

Du beginnst daher wieder, voll zu arbeiten, obwohl das erste Kind gerade in die Schule kommt. Aber die Ganztagsbetreuung ist es längst gewöhnt und außerdem muss eben auch einmal lernen, auf die großen Karrierepläne der armen Mutti Rücksicht zu nehmen. Kinder zu bekommen kann doch nicht heißen, sich selbst vollkommen zurückzustecken?

Nun, liebe Karriere-Mutter, eigentlich heißt es genau das. Zumindest früher einmal. Damals litten nicht so viele Frauen unter Burnout – genauer gesagt gar keine – oder klagten über ihr enormes Gesundheitsrisiko als Mutter, welchem sie sich heute durch den enormen Stress allgegenwärtig ausgesetzt sehen.

Wer meint, um jeden Preis Kinder, Küche und Karriere gewaltsam unter einen Hut bringen zu müssen, braucht sich allerdings nicht wirklich über genau solche Symptome zu wundern. Kinder, Familie, Haushalt, Erziehung, alles, was eine richtige Frau ausmachte – und in Einzelfällen auch heute noch ausmacht – bedeuteten einst das Lebenszentrum der Frauen. Es ist ihre vom Schöpfer zugedachte Domäne.

Manchmal bekomme ich den Eindruck, die modernen Mütter ärgern sich endlos darüber, dass der Mensch ein Säugetier ist. Ihrem angestrebten Lebensstil käme es nämlich heute wesentlich näher, wenn sie, wie die Vögel, ein paar Eier legen, sie ausbrüten und danach wieder verschwinden und sich um ihre wirklich „wichtigen“ Angelegenheiten kümmern könnten. Im Prinzip bewegt sich unsere Gesellschaft jedenfalls in genau diese Richtung.

Das soll nicht heißen, die Frauen früher hattens gut und leicht, denn bis vor ganz wenigen Generationen gab es keine Spül- oder Waschmaschine, keinen Kühl- oder Gefrierschrank, kein Auto und keinen Supermarkt. Trotzdem haben sie ihre Last erfolgreich getragen und den Kindern wesentlich mehr für ihr Leben mitgegeben als die meisten heutigen Mütter überhaupt können.

Worin nun der wesentliche Unterschied besteht zwischen damals und heute? Ganz einfach: Damals waren die Frauen noch Mütter und nicht Karriereweibchen. Ich weiß, solche Aussagen sind natürlich böse, diskriminierend, nazi und überhaupt, sowas geht gar nicht. Aber ganz ehrlich: Kein Mensch zwingt Euch dazu, dem Karrierewahn zu huldigen. Jede einzelne von Euch macht das völlig freiwillig.

Man hat Euch sehr erfolgreich einen gefährlichen, zerstörerischen Floh ins Ohr gesetzt. Ihr habt ihm wohlwollend gelauscht und alles brav umgesetzt, was er von Euch gefordert hat und jetzt wundert Ihr Euch plötzlich, warum es Euch überall juckt?

Viele Grüße und viel Erfolg bei der Beantragung der Mutter-Kind-Kur, die Du so dringend brauchst.

Ein ziemlich wenig mitleidiger Mann

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