Feige Gutmenschen: Sandburgenbau verboten wegen Verletzungsgefahr

Vater und Sohn
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Gemeindeverwaltung
Vollkasko Str. 45
77123 Hörheim
Gemeindeverwaltung
Vollkasko Str. 45
77123 Hörheim
Vater und Sohn
9. August 2014
Feige Gutmenschen: Sandburgenbau verboten wegen Verletzungsgefahr

Sehr geehrter Herr Wolf,

als ich vergangene Woche das schöne Wetter nutzte, um in den Ferien zusammen mit meinem Sohn auf dem nahe gelegenen Spielplatz eine große Sandburg zu bauen, bekamen wir plötzlich Besuch von Mitarbeitern des Bauhofs Ihrer Gemeinde. Dieser Besuch war ein Sinnbild für diese heutige Gesellschaft, wie Sie gleich erfahren werden.

Der bereits bei der Anfahrt zu vernehmende erstaunte Ausruf „ach du liebe Zeit“ des Fahrers und Chefs des vier Mann starken Trupps war nicht etwa unserem in anstrengender Schaufelarbeit erschaffenen Bauwerk geschuldet, sondern er bezog sich auf die bevorstehende Arbeit, welcher sich Ihr Mitarbeiter sogleich ausgesetzt sah.

Kaum angehalten, sprangen die Mitarbeiter in der bekannt flinken, behördlichen Motivation wie in Zeitlupe aus dem orangefarbenen Wagen mit Pritsche und begannen zunächst damit, den Mülleimer des Spielplatzes zu leeren, während der Chef nur zuschauend dabeistand.

Wenig später dann marschierten er und zwei seiner Mitarbeiter über die Wiese zu uns zum Sandplatz. Voller Hoffnung auf sogleich erfolgendes Lob und Anerkennung für unser stolzes Sandbauwerk schauten mein Sohn und ich dem Herrn im Blaumann erwartungsvoll entgegen. Zu hören bekamen wir jedoch überraschenderweise etwas ganz anderes:

Das müssen Sie aber später wieder zuschaufeln.

Mit einer solchen Aufforderung hatten mein Sohn und ich jetzt eigentlich am allerwenigsten gerechnet. Auf meine erstaunte Frage, warum wir unsere mühsam erbaute Sandburg allen Ernstes eigenhändig wieder zerstören sollten, antwortete Ihr Mitarbeiter:

Wir kommen normalerweise hier auf den Spielplatz, um den Sand zu rechen und einzuebnen, da durch solche Löcher Verletzungsgefahr besteht und die Gemeinde dann dafür haftet.

Ich war zunächst baff, doch gab ich dem Herrn dann zu bedenken, dass immer noch die Eltern für ihre Kleinkinder haften würden und nicht etwa die Gemeinde und man doch bitte zunächst mal den gesunden Menschenverstand einschalten sollte bezüglich einer Sandburg auf einem Spielplatz. Der Kappo konterte leicht verdattert über meinen offenkundigen Widerstand gegen seine „Staatsgewalt“ und seinen im behördlichen Auftrag agierenden Sandburg-Zerstörungsstoßtrupp:

Ja, aber da kann auch bei Nacht jemand hineinfallen.

Meine Antwort auf diese ziemlich lächerliche Befürchtung war dann:

Nachts haben hier kleine Kinder ganz bestimmt nichts verloren. Ist es jetzt also tatsächlich schon verboten, auf Spielplätzen Sandburgen zu bauen?

Völlig am Ende seines Lateins wich der Mann zwei Schritte zurück und verteidigte sich nur noch mit den Worten:

Ich geb‘ nur das weiter, was mir aufgetragen wurde.

So ist es recht. Ein Mitarbeiter im Staats- bzw. Gemeindeauftrag hat natürlich strikt jeglichen Anweisungen von oben Folge zu leisten, egal wie unsinnig oder idiotisch sie auch sein mögen. Hierbei sei noch erwähnt, dass das „Loch“, in welchem wir saßen und um welches wir unsere Burg gebaut hatten, etwa 40 Zentimeter tief war und an einer Seite einen schräg abfallenden Eingang besaß.

In der Tat könnte hier leicht ein Kleinkind hineinfallen, dann nämlich, wenn es sich brutal und gewaltsam von seiner die ganze Zeit ausschließlich mit ihrem Handy beschäftigten Mami losreißt und sich unter suidzidalem Mutwillen mit Karacho in die Burg hinabstürzt. Im schlimmsten Fall müsste dann mit einem heulenden Kind mit Sand im Mund und in der Nase gerechnet werden. Eine fürchterliche Katastrophe für sämtliche Beteiligten, ich mag mir das gar nicht näher im Detail vorstellen.

Sie, Herr Wolf, wurden mir von Ihrem vorbildlichen Mitarbeiter als Verantwortlicher für den Befehl zum Zuschütten von Sandlöchern auf den hiesigen Spielplätzen genannt. Haben Sie eigentlich jemals Ihren Schreibtisch im Rathaus verlassen und waren am Ort des Geschehens, vielleicht gar mit Ihrem Nachwuchs, sofern Sie welchen haben?

Falls ja, wäre Ihnen vermutlich noch etwas anderes aufgefallen neben den bedrohlichen Sandlöchern: Auf dem Spielplatz befinden sich nämlich eine Wippe aus Stahl, eine gut zwei Meter hohe Rutsche mit runden, rutschigen Stahlstufen, zwei Schaukeln mit stahlverstärkten Sitzen, drei Stahlkletterstangen, ein Balancierseil mit stählernen Haltepfosten und als Krönung ein gut vier Meter hohes Seil-Klettergerüst mit Stahlverankerungen direkt unten im Sand.

Wenn von einem dieser Spielgeräte ein Kind herunterstürzt, haftet dann eigentlich auch die Gemeinde? Anstatt Ihre Mitarbeiter die teure Arbeitszeit mit dem Zuschaufeln „hochgefährlicher Sandburgen“ verschwenden zu lassen, sollten diese lieber damit beginnen, sämtliche Spielgeräte unmittelbar abzubauen und den Boden danach einzuebnen, denn was hier alles passieren könnte, mag sich niemand ausmalen.

Es bleibt festzustellen, dass es in Ihrem Hause weder an Personal noch an Zeit für Unsinnigkeiten mangelt, lediglich beim gesunden Menschenverstand und etwaiger Eigenverantwortung Ihrer Mitarbeiter gibt es ein klitzekleines Defizit. Weil das regelmäßige Einplätten lebensgefährlicher Sandburgen mit dermaßen hoher Priorität verfolgt wird, bleibt natürlich keine Zeit mehr für das Reparieren des Bordsteins in unserer Straße.

Den Schaden habe ich Ihrem Hause zwar bereits vor vielen Wochen gemeldet, aber nun ist mir klar, dass die Reparatur sich noch ewig hinauszögern wird. Daher habe ich beschlossen, ab jetzt keine Sandburgen mehr zu bauen. Außerdem war mein Sohn nach dem Auftreten Ihres Mitarbeiters so geschockt, dass er nur noch nach Hause wollte.

Vielen Dank für Ihren unermüdlichen Einsatz, das Leben in unserer Gemeinde zu einem erstklassigen Vollkasko-Erlebnis ohne jegliche Eigenverantwortung umzugestalten. Machen Sie nur weiter so, denn ohne Kinder auf den Spielplätzen haben die Gemeindemitarbeiter am Ende sogar noch Zeit für wirklich wichtige Aufgaben übrig.

Mit freundlichen Grüßen

Die Erbauer der großen und äußerst gefährlichen Sandburg

PS: Natürlich haben wir unsere Burg nicht zerstört, bevor wir gingen. Das haben binnen Stunden einige „gewaltfrei erzogene“ Kinder erledigt, welche sich ansonsten an anderem Gemeindeeigentum wie üblich sachbeschädigend vergangen hätten.

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