Bayerns Justitia ist sprichwörtlich blind

Ein Mensch
mit Glauben an
Recht und Gerechtigkeit
Trauer
An
Justitia
Blindenstr. 1
88888 Bayern
Justitia
Blindenstr. 1
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Ein Mensch
mit Glauben an
Recht und Gerechtigkeit
11. Juli 2014
Bayerns Justitia ist sprichwörtlich blind

Liebe Justitia,

üblicherweise wirst Du als Jungfrau mit verbundenen Augen, Waage und Schwert in der Hand abgebildet. Das soll daran erinnern, dass Du für Unvoreingenommenheit, wahrhaftige Abwägung und Durchsetzung von Gerechtigkeit stehst.

Ein schönes Bild eigentlich, doch leider hat es heute in manchen Ländern mit der Realität nicht mehr viel zu tun. Solch ein Land ist auch Deutschland, genauer gesagt Bayern. Wie wir wissen, werden dort „im Namen des Volkes“ sogar Massenentführungen von Kindern erlassen und manch unbequeme Menschen mittels dreister Lügen und zweifelhafter Methoden aus dem Verkehr gezogen, um sie in der Psychiatrie schließlich mundtot zu machen.

Gustl Mollath, eines dieser Opfer, steht nun erneut vor Gericht. Es ist dasselbe bayerische Konstrukt wie damals, als er zum ersten Mal mit Deinen Helfern in den schwarzen Roben zu tun hatte. Lediglich die Kammer ist eine andere, der Geist dürfte so ziemlich derselbe sein.

Manch einer hatte nun im Vorfeld die Hoffnung, beim zweiten Versuch würde Herr Mollath ein ehrliches Verfahren erhalten, schon weil die Presse aufmerksam zuschaut. Zugegeben, das ist eine äußerst naive Annahme, denn was hat sich seit seiner damaligen Verurteilung im Lande der CSU-Herrschaft in diesen Institutionen schon zum Guten hin verändert?

Die Hoffnung stirbt eben zuletzt heißt es. Offenbar liegt diese jedoch schon wieder halb im Sterben, denn was heute im Gericht in Regensburg geschah, wirft kein gutes Bild auf Deine dortige Vertreterin. Richterin Escher hat nämlich gleich zu Beginn der Verhandlung einen der Zuschauer gewaltsam aus dem Saal befördern lassen, nachdem dieser sich weigerte, sein „Stasi 2.0“-T-Shirt mit dem Portrait Wolfgang Schäubles durch eine Jacke zu bedecken.

Der Vorfall zeigt, welcher Geist in den bayerischen Gerichten weht: Dort herrscht allein der Richter nach Willkür und Belieben, nicht die Gerechtigkeit, denn jeder Bürger hat das grundgesetzlich garantierte Recht auf die freie Meinungsäußerung, selbst wenn diese mitunter etwas drastisch ausgedrückt werden mag. Dieses Grundrecht gilt auch vor einem Gericht und das erst recht für passive Zuschauer.

Liebe Justitia, manchmal frage ich mich, ob das Schwert in Deiner Hand nicht falsch gedeutet wird. War dieses wirklich allein als Sinnbild zur Bestrafung für die Beschuldigten gedacht? In Anbetracht des grassierenden Unrechts an deutschen Gerichten – was übrigens eine lange Tradition schon seit Mitte der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu haben scheint – wäre Dein Schwert heute wohl eher für diejenigen angebracht, welche in ihrer Willkürherrschaft das Recht biegen und beugen, bis es bricht.

Es wird Zeit, dass Du Dir die Augenbinde vom Kopf reißt und genau hinsiehst, wer von Deinen Vertretern in den schwarzen Roben das Recht der Bürger mit Füßen tritt. Vielleicht kommen Dir dabei auch einige mutige Bürger zu Hilfe, aber ich befürchte, viele werden es nicht sein, denn die Menschen in diesem Land haben nicht nur Scheuklappen, sondern selbst die Augen verbunden. Lediglich das Flackern der Fernseher nehmen sie gerade noch wahr.

Hättest Du jemals gedacht, dass ausgerechnet in unserem Land solch systematisches Unrecht völlig ungehindert herrschen könnte? Schade, dass Du nicht von Deinem Sockel steigen und für wirkliche Gerechtigkeit sorgen kannst.

Traurige Grüße von einem ernüchterten Menschen, der einst an Recht und Freiheit in diesem Land glaubte

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